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Ratgeber Baufinanzierung

Volltilgerdarlehen: schuldenfrei zum Ende der Zinsbindung

Beim Volltilgerdarlehen fallen Zinsbindung und Laufzeit zusammen. Die Rate ist so berechnet, dass am letzten Tag der Bindung nichts mehr offen ist. Kein Zinsänderungsrisiko, keine Anschlussfinanzierung — dafür eine deutlich höhere Monatsrate und wenig Spielraum.

Zeitachse mit fester Zinsbindung
Grundlagen

Was ein Volltilgerdarlehen ausmacht

Technisch ist ein Volltilgerdarlehen nichts anderes als ein Annuitätendarlehen. Der Unterschied liegt allein in der Tilgungshöhe: Sie wird so gewählt, dass die Restschuld am Ende der Zinsbindung exakt null erreicht. Wie das Innenleben der Rate funktioniert, erklärt der Beitrag Annuitätendarlehen.

Sie legen also nicht die Tilgung fest, sondern die Laufzeit — und die Bank rechnet daraus die nötige Rate. Üblich sind fünfzehn, zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre. Bei kürzeren Laufzeiten wird die Rate schnell sehr hoch.

Der Gewinn ist Gewissheit. Sie wissen beim Abschluss auf den Monat genau, wann Sie schuldenfrei sind, und was Sie bis dahin insgesamt gezahlt haben. Kein Zinsniveau der Zukunft kann daran noch etwas ändern.

Nachgerechnet

Volltilger gegen Annuitätendarlehen

Der Unterschied lässt sich nur über denselben Zeitraum ehrlich vergleichen. Wir nehmen 300.000 € Darlehen und schauen, wo beide Varianten nach zwanzig Jahren stehen.

Rechenbeispiel 300.000 €, zwanzig Jahre, zwei Varianten
Annuität mit 2,0 % Tilgung, 3,50 % (Beispielwert)
1.375 € im Monat
Restschuld nach zwanzig Jahren
rund 126.600 €
Volltilger auf zwanzig Jahre, 3,70 % (Beispielwert)
1.771 € im Monat
Restschuld nach zwanzig Jahren
0 €
Mehrbelastung im Monat
rund 396 €
weniger Zinsen in diesen zwanzig Jahren
rund 31.600 €

Der Volltilger kostet 396 € mehr im Monat. Dafür ist er nach zwanzig Jahren fertig, während die andere Variante noch 126.600 € offen hat — zu einem Zinssatz, den heute niemand kennt.

Beispielwerte zur Veranschaulichung – keine Kondition und kein Angebot.

Dafür

Was für den Volltilger spricht

Fünf Argumente

  • Kein ZinsänderungsrisikoDer wichtigste Punkt. Was in zwölf oder achtzehn Jahren am Markt passiert, berührt Ihre Finanzierung nicht mehr.
  • Volle KostentransparenzSie kennen beim Abschluss die Gesamtkosten der Finanzierung auf den Euro genau. Bei jeder anderen Form ist das eine Schätzung.
  • Weniger Zinsen insgesamtDie hohe Tilgung senkt die Restschuld schnell, und auf eine kleinere Restschuld fällt weniger Zins an.
  • Kein Aufwand am EndeKeine Anschlussfinanzierung, kein Vergleich, keine Grundschuldabtretung. Das Darlehen endet einfach.
  • Planbarer RuhestandWer die Laufzeit auf den Renteneintritt legt, geht ohne Wohnkosten für Zins und Tilgung in den Ruhestand.
Dagegen

Wo der Volltilger an seine Grenzen kommt

Die hohe Rate ist der offensichtliche Nachteil, aber nicht der wichtigste. Entscheidend ist die fehlende Beweglichkeit.

Ein Sondertilgungsrecht ist beim Volltilger meist ausgeschlossen. Die Rate ist auf den Cent so berechnet, dass die Rechnung am Ende aufgeht; zusätzliche Zahlungen würden das stören. Ebenso fehlt in aller Regel der Tilgungssatzwechsel — Sie können die Rate also nicht senken, wenn sich Ihre Lage verschlechtert.

Dazu kommt die Bindungsdauer. Eine Laufzeit von zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren bedeutet eine ebenso lange Zinsbindung, und die lassen sich Banken über einen Aufschlag bezahlen. Das Kündigungsrecht nach zehn Jahren bleibt Ihnen zwar erhalten, aber bis dahin sind Sie festgelegt.

Und schließlich: Wer die hohe Rate gerade so schafft, hat keinen Puffer mehr für Instandhaltung. Eine Heizung, die nach acht Jahren ausfällt, muss dann über einen teuren Zusatzkredit finanziert werden.

Die Entscheidung

Für wen sich ein Volltilger eignet

Drei Merkmale sprechen für diese Form. Erstens ein sicheres, auskömmliches Einkommen mit klarem Abstand zur Rate. Zweitens ein überschaubarer Finanzierungsbedarf im Verhältnis zum Einkommen, sodass die hohe Tilgung nicht wehtut. Drittens ein starkes Bedürfnis nach Planungssicherheit.

Typisch ist die Konstellation bei Haushalten, die spät kaufen und bis zum Ruhestand fertig sein wollen. Wer mit fünfundvierzig kauft und mit fünfundsechzig schuldenfrei sein möchte, landet ohnehin bei einer Tilgung, die einem Volltilger nahekommt.

Dagegen spricht alles, was Beweglichkeit verlangt: eine junge Familie mit absehbaren Einkommensschwankungen, ein Sanierungsobjekt mit unklaren Folgekosten oder die Aussicht auf eine größere Einmalzahlung, die Sie lieber in eine Sondertilgung stecken würden.

Der Mittelweg

Volltilger-Effekt ohne Volltilger

Sie müssen sich nicht entscheiden. Ein Annuitätendarlehen mit hoher Tilgung und langer Zinsbindung kommt dem Volltilger sehr nahe, lässt Ihnen aber die Vertragsrechte. Wählen Sie eine Tilgung, die das Darlehen bis zum gewünschten Termin nahezu abträgt, und vereinbaren Sie zusätzlich Sondertilgung und Tilgungssatzwechsel.

Der Unterschied: Am Ende bleibt eine kleine Restschuld, die Sie aus Rücklagen ablösen oder kurz weiterfinanzieren. Dafür können Sie die Rate senken, wenn es eng wird, und in guten Jahren zusätzlich tilgen.

Eine zweite Variante ist die Aufteilung: ein Volltilger für den Teil, den Sie sicher tragen, und ein flexibleres Annuitätendarlehen für den Rest. Das kostet etwas Verwaltungsaufwand und bringt zwei Zinssätze mit sich, verbindet aber Sicherheit und Spielraum.

Die beiden Wege im Vergleich
VolltilgerAnnuität mit hoher Tilgung
Restschuld am Endenullklein
Sondertilgungmeist ausgeschlossenüblich, kostenfrei
Tilgungssatzwechselmeist ausgeschlossenüblich
Rate senken möglichneinja, im vereinbarten Rahmen
Häufige Fragen

Was uns zum Volltilgerdarlehen oft gefragt wird

Bekomme ich beim Volltilgerdarlehen einen besseren Zins?

Häufig ja, aber nicht immer. Manche Banken geben einen kleinen Abschlag, weil ihre Kalkulation sicherer wird: Sie wissen, dass am Ende nichts offen bleibt. Andere verlangen einen Aufschlag für die lange Bindung, die ein Volltilger zwangsläufig mitbringt. Der Effekt hebt sich oft auf, deshalb lohnt der konkrete Vergleich mehrerer Angebote.

Kann ich beim Volltilger eine Sondertilgung vereinbaren?

Meist nicht, und das ist systembedingt. Die Rate ist so berechnet, dass das Darlehen exakt zum Ende der Bindung auf null läuft. Eine zusätzliche Zahlung würde diese Rechnung stören, deshalb schließen viele Banken das Recht aus. Wer Extrazahlungen einplant, sollte ein Annuitätendarlehen mit hoher Tilgung wählen.

Was passiert, wenn ich die hohe Rate nicht mehr tragen kann?

Dann wird es unangenehm, denn ein Tilgungssatzwechsel nach unten ist beim Volltilger in aller Regel ausgeschlossen. Sie müssten mit der Bank verhandeln oder umschulden, beides zu schlechteren Bedingungen. Genau deshalb sollte die Rate mit deutlichem Abstand tragbar sein, nicht knapp.

Gilt das Kündigungsrecht nach zehn Jahren auch beim Volltilger?

Ja. § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB gilt für jedes Darlehen mit gebundenem Sollzins, unabhängig von der Tilgungsform. Sie dürfen also auch einen Volltilger mit zwanzig Jahren Bindung nach zehn Jahren und sechs Monaten Frist kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Dieses Recht kann Ihnen die Bank vertraglich nicht nehmen.

Nächster Schritt

Volltilger oder flexibel bleiben?

Wir rechnen beide Wege mit Rate, Restschuld und Gesamtkosten nebeneinander und sagen offen, welcher zu Ihrem Haushalt passt. Für Sie kostenfrei.

Stand: September 2026. Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle Beratung; er ist keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Konditionen, Förderbedingungen und gesetzliche Regeln ändern sich laufend.